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Portrait von Kerstin Wustmann, einer Schweizer Kardiologin

Wie verlief deine Ausbildung?

  • Staatsexamen 2000, Jahr FMH Kardiologie 2009

  • Forschungsassistenzärztin Kardiologie, Inselspital (Prof. C. Seiler) 2000-2001

  • Assistenzärztin Innere Medizin Inselspital 2002-2003, Innere Medizin Spital Interlaken 01/2004-05/2004

  • Forschungsassistenzärztin Kardiologie, Inselspital (Prof. Y. Allemann und Prof. E. Delacretaz) 05/2004-12/2005

  • Assistenzärztin Kardiologie, Inselspital 2006-05/2009 (inkl. Weiterbildung Angeborene Herzfehler und Hospitation Kinderkardiologie, Inselspital 05/2008-05/2009)

  • Fellow for Adult Congenital Heart Disease and Pulmonary Hypertension, Royal Brompton Hospital, Imperial College London, UK 06/2009-06/2011

  • Fellow for Cardiac Magnetic Resonance Imaging, Royal Brompton Hospital, Imperial College London, UK 02-06/2011

  • Oberärztin Angeborene Herzfehler bei Erwachsenen und Herz-MR (inkl. Kinder) sowie nicht-invasive Kardiologie, Inselspital seit 07/2011

 

Wieso bist Du Kardiologin geworden?

Sehr interessantes Arbeitsfeld mit unterschiedlichen Subspezialitäten, Interesse an Hämodynamik, Patientenbetreuung, Innovation, Bildgebung, interdisziplinäres Arbeiten mit Herzchirurgie und Intensiv-/Notfallmedizin.

Wie lange warst (bisher) Du Assistenzärztin auf einer kardiologischen Abteilung?

Insgesamt AA-Zeit in der Kardiologie ca. 8.5 Jahre

Warum bist Du ins Ausland/ bzw. nicht ins Ausland gegangen für Deine Ausbildung? Hat Dir das geholfen bzw. geschadet?
Auslandsaufenthalt >1.5 Jahre war (intern) gefordert zur weiteren Spezialisierung für Angeborene Herzfehler bei Erwachsenen. Selbstfinanzierung via ESC Grant und SNF-Forschungsgrant. Selbstfinanzierung des CMR-Kurses. Andererseits langlebige Kontakte bzw. Netzwerk international für zukünftigen Erfahrungsaustausch gewonnen.

Wie ist Dein Entscheid gefallen, invasive bzw. nicht-invasive Kardiologin zu werden oder werden zu wollen? Welches sind Spezialgebiete, die speziell attraktiv sind für Frauen?
Ich habe mich gegen eine invasive bzw. elektrophysiologische Ausbildung entschieden aus diversen Gründen: Strahlung, langes Stehen mit Bleischürze, damals geringere Akzeptanz von Frauen in den Abteilungen, teils monotone Arbeitsgebiete (Klappeneingriffe waren damals (2008) noch nicht in dem Masse etabliert wie heute).
Attraktiv für Frauen: Bildgebung, CHF/HTX, Kinderkardiologie, Angeborene Herzfehler bei Erwachsenen, Elektrophysiologie, Kardio-Notfallmedizin

Hast Du den Eindruck, dass es leichter war für Männer in der Kardiologie?

Eindeutig ja: kürzere AA-Zeit in der Kardiologie zur Beförderung zum OA, mehr Perspektiven bzw. frühere Subspezialisierung, mehr Zeit für Forschung und Förderung. Männer delegieren häufiger und besser «reine» Dienstleistung an Frauen und schaffen sich somit mehr Zeit für Forschung und Kongress-Tätigkeit. Mir war zB über eine lange Zeit Kongressbesuch unmöglich, da mein Kollege die Kongresse besuchte und er meinte, jemand muss da bleiben und sich um die Patienten kümmern. Geringe Präsenz an Kongressen bringt wiederum mit sich, dass man weniger für Talks/Chair eingeladen wird.

 

Was muss bei der Ausbildung verbessert werden?
Gleiches Interesse der mehrheitlich männlichen Chefs am Potenzial von Kardio-Assistenzärztinnen, Gleichbehandlung für Besetzung von OA-Stellen und Subspezialisierungen. Sobald mehr Frauen in höheren Positionen präsent sind, wird sich dies ebenso ändern, Vorbildfunktionen. Mehr Integration von Assistenzärztinnen mit Forschungsinteresse in schon bestehende Forschungsprojekte. Zumindest in meiner Zeit war es so: Will man als Frau Forschung machen, dann gibt es (fast) keine Unterstützung, sondern man macht vieles alleine.

Hast Du je Teilzeit gearbeitet? Falls ja, wieviele Jahre hast Du Teilzeit gearbeitet? Hast Du leicht eine Teilzeitstelle gefunden? 
Erst seit 08/2019 auf 90% reduziert für mehr Zeit für Forschung und Kongressbesuche

 

Hast Du noch Berufswünsche, die nicht in Erfüllung gingen?
Habilitation… Leider kein Mentor und in den letzten Jahren keine Zeit, da komplett in den Dienstleistungsbetrieb eingebunden.

 

Wo arbeitest Du jetzt?
Oberärztin Angeborene Herzfehler bei Erwachsenen und Herz-MR (inkl. Kinder) sowie nicht-invasive Kardiologie, Inselspital 

 

Ist der Beruf als Kardiologin für Frauen mit Kinderwunsch zu empfehlen? Wird das Privatleben betroffen? Ist es schwierig für die Partnerschaft?
Schwierig. Ich hoffe zukünftig ja. Mein Privatleben war betroffen durch lange Arbeitszeiten, Forschung in Ferien/WE/abends, Auslandsaufenthalt. Dies ist manchmal von Partnern nicht gut aufgenommen worden. Leider hat sich der Aufwand nicht recht rentiert (bislang nicht habilitiert).

 

Ist das Risiko für ein Burnout als Kardiologin gross? Wie kann man ein berufliches Burnout vermeiden?
Ja, es ist gross, aber zum Glück war ich noch nicht betroffen. Versuch eines gesunden Ausgleichs in der Freizeit (Freunde, sportliche Freizeitaktivitäten in der Natur: wandern, schwimmen, Langlauf, Schneeschuhtouren)

 

Denkst Du es ist attraktiver in einer Einzelpraxis, in einer Gruppenpraxis, in einem Regionalspital oder einem Universitätsspital zu arbeiten?
Keine Ahnung. In einem Uni-Spital ist es sicherlich interaktiver aber auch verbunden mit mehr Powerplays, wo wir Frauen häufig weniger Chancen haben. Meine Subspezialisierungen bedingen die Arbeit am Uni-Spital.

 

Hast du sonst noch eine Bemerkung? Oder gar einen Wunsch an die Chefärzte?
Gleiches Interesse der Chefs am Potenzial von Kardio-Assistenzärztinnen, Gleichbehandlung für Besetzung von OA-Stellen und Subspezialisierungen. Mehr Integration von Assistenzärztinnen mit Forschungsinteresse in schon bestehende Forschungsprojekte. Mentale/personelle und evtl. finanzielle Unterstützung von weiblichen AA/OA bei Forschung, Habilitation etc.